Rosa von Praunheim

„Die hatten einen Narzissmus, der göttlich war!“

 

Rosa, der Mann, der das Moviemento bzw. Tali zum Programmkino machte, war Manfred Salzgeber. Er war zugleich eine Ikone der Schwulenbewegung. Wie hast Du Manfred Salzgeber erlebt?
Manfred Salzgeber kannte ich schon seit Anfang der 1960er Jahre, da arbeitete er noch als Buchhändler in Schöllers Bücherstube in der Knesebeckstraße in West-Berlin. Er war ein Experte für schwule Literatur. Damals war Homosexualität noch verboten, also kriminalisiert. Und er war ein ganz wichtiger Ansprechpartner für wichtige Bücher. Also Bücher, die in anderen Buchhandlungen zum Teil unter dem Ladentisch gehandelt wurden. Jean Genet war immer noch ein Skandal und William Borroughs auch, also Bücher, die mich in meiner Jugend sehr beeinflussten. Und dann hatten wir durch unsere Filmaktivitäten sehr viel Berührungspunkte.

 

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Rosa von Praunheim während einer Veranstaltung in der Akademie der Künste in Berlin.

 

Wurdest Du durch Manfred Salzgeber aufs Tali aufmerksam?
Nein, das Tali wurde eigentlich erst mit der „Rocky Horror Picture Show“ stadtbekannt (als Manfred Salzgeber nicht mehr Kinobesitzer war.) Wieland Speck und Elser Maxwell managten da schon das Tali. Ich war aber kein Fan der „Rocky Horror Picture Show“. Reis werfen und mit Wasser spritzen waren nicht mein Ding. Dazu fühlte ich mich schon zu alt. Erst später, als Tom Tykwer Programmmacher im Moviento war, ging ich regelmäßig hin.

Genauer gesagt jeden Montag. Denn Ende der 1980er Jahre lief dein Dokumentarfilm „Überleben in New York“ dort, den ich für einen deiner aufregendsten Film halte. Warum bist Du gerade ins Moviemento gegangen? Der Film lief doch auch in anderen Kinos.
Ich glaube, das lag an Tom. Tom sah sehr gut aus, und das ist natürlich ein Grund, da immer hinzugehen. Wir kannten uns übrigens schon vorher, wahrscheinlich auch durchs Moviemento. Ich weiß nicht mehr genau. Ich denke, da liefen vorher schon Filme von mir da. Auf jeden Fall war Tom ein wahrer Filmfan. Ist er immer noch, aber er war wirklich ein ungeheuer engagierter Kinoliebhaber. Und ich denke, das hat sich eben auch auf das Publikum ausgewirkt. Die Leute merkten, dass das Programm mit Liebe und großer Intensität gemacht wurde. Auf jeden Fall lernte ihn damals mit seiner verrückten Freundin Christiane kennen. Und die beiden konnten sich wunderbar streiten. Das war so toll. Ich lud sie öfter zu Partys ein, weil beide sehr, sehr hübsch waren und gerne flirteten. Die versuchten, alle um sich herum verrückt zu machen. Und das war toll. Die hatten einen Narzissmus, der göttlich war. Und dann stritten sie sich. Also morgens um 4.00 Uhr lagen die sich weinend in den Armen. Und Tom erzählte mir später, wie schrecklich alles war. Und ich war so begeistert davon. Ich dachte. „Das ist ja toll! Ich meine, das ist doch ein Filmstoff! Warum machst Du irgendwelche blöden Klischeekrimis und spielst mit Pistolen herum? Mach doch das, Tom! Schreib es einfach auf. Das ist doch ein großes Geschenk, das du leiden darfst. Schreib das auf, diese Dialoge!“ Und so entstand dann der Film „Because“. Wo er dann – Vorstufe zu „Lola, rennt“ – eine Geschichte dreimal variiert hat.

Ihr steht bis heute in einem regen Austausch. Und seid früher auch auf Festivals gefahren.
Ja, wir waren zum Beispiel gemeinsam beim Festival in Hof. Ich zeigte dort „Überleben in New York“, und wir fuhren zusammen im Auto dorthin. Die Stadt war, wie so oft zum Festival, ziemlich ausgebucht. Und bei der Rezeption tat er dann so, als ob er kein Zimmer zum Übernachten bekommen hätte. Jedenfalls mussten wir dann in einem Doppelzimmer übernachten. Und er zog sich dann, um mich zu quälen, beim Mondschein nackt aus, und der arme Schwule lag da, lechzend, und kriegte natürlich nicht, was er wollte…

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