Geschichten aus der Geschichte des Kinos…

Geschichten aus der Geschichte des Kinos gibt es viele


In diesem Fall aber geht es um ein Kino, in dem seit 1973 selbst Geschichte gemacht wurde. Auf Initiative des späteren Leiters der Berlinale-Sektion „Panorama“, Manfred Salzgeber, wurde damals das Berliner „Tali-Kino“ zu einem Programmkino. Zwischen Kiez, intellektuellem Avantgardismus und subkultureller Nische gehörte das Team um Salzgeber zu den Erfindern jener „Kreuzberger Mischung“, deren Anekdoten sich später zur Legende verdichteten und deren kreative Ideen den Kulturbegriff nachhaltig veränderten… Bernd Sobolla zeigt einen Ort, an dem bis heute kreative Winde wehen; er spart die Flauten aber nicht aus. So wird die Geschichte eines Kinos zum kulturgeschichtlichen Porträt, zum Protokoll des „Trial-and-Error“-Verfahrens, mit dem aus der Subkultur heraus gesellschaftliche Profile verändert werden. … Als facettenreiche „oral history“ lässt seine Dokumentation jedoch die sepiafarbenen Versuche hinter sich, mit denen alte Projektoren und vergilbte Filmplakate allzu oft zu sentimentalen Klischees über Kinogeschichte metaphorisiert wurden. Sobollas Film findet nüchtern und präzise zur Seele zurück, mit der ein Kino erst zum Kino wird, und verdichtet die Materialsammlung zu einer pointierten Rückschau auf ein Stück Westberliner Kulturgeschichte.