Programmkino.de

Auf der anderen Seite der Leinwand – 100 Jahre Moviemento

Von Bernd Sobolla

(BV kommunale Filmarbeit, Kinostart 29. April 2010)

 

1907 – 2007, hundert Jahre Berlin-Kreuzberger Moviemento-Kino. Es hieß nicht immer so, firmierte mehrfach unter anderen Namen – beispielsweise „ Das lebende Bild“.

 

Aber dass Kino etwas Magisches hat, dass es „das Tor zur Welt“ bedeuten kann, das wird in diesem Dokumentarfilm klar. Man wohnt einer Lehrstunde in Kinogeschichte bei.

Wer einen solch intensiven Kino-Film dreht, ist ein Film-Fan, ein Kino-Besessener, einer, der neben den sich immer breiter machenden anderen Medien für das Kino kämpft, seine Zukunft beschwört.

Die hundert Jahre des Moviemento bzw. seiner Vorgänger waren bewegt. Es war ein „Paradies“, aber zuweilen auch ein Schmuddelkino, es war für viele eine schwul-lesbische Heimat, aber es nagte auch am Hungertuch – erst die „Rocky Horror Picture Show“ brachte die Erlösung. Es fehlt nicht der ausgeprägte Linksdrall, manchmal auch nicht der Alkohol oder der Koks.

Aber wichtiger waren die künstlerische Pionierarbeit, die Experimente, das Hochhalten der Filmkunst und der Filmästhetik, die Rettung vieler von der Ignoranz bedrohter Filme, die Heimstatt „radikaler kleiner Gruppen“ und „versprengter Figuren“, die fruchtbaren kollektiven Diskussionen, das Durchhalten beim Aufkommen der Multiplexe mit seinem katastrophalen Besucherrückgang bei den Off-Kinos, den Filmkunsttheatern und den Programmkinos.

Eine Menge heute wohlklingender Namen sind eng mit dem Movimento bzw. seinen Vorgängern verbunden. Und diese Namen sind ein ganzes Kapitel Kinogeschichte: Manfred Salzgeber, Elser Maxwell, Tom Tykwer, Dani Levy, Detlev Buck, Wieland Speck, Claus Boje, Blixa Bargeld, Ingrid Schwibbe, Bernd Sobolla, Leander Haußmann, Klaus Kreiner u.a.

Etwas für Kino-Verrückte und Arthouse-Fans.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.