Presseberichte

Berliner Zeitung:
„Eine unterhaltsame Hommage an die Kultur und Subkultur des untergegangenen West-Berlin – und eine Liebeserklärung ans Kinomachen“

taz:
„Eine spannende Reise durch die Zeit“

Programmkino.de:
„Wer einen solch intensiven Kino-Film dreht, ist ein Film-Fan, ein Kino-Besessener.“

Schnitt:

Im besten Sinne anders / Von Elena Meilicke

Sobollas Portrait der Kreuzberger Kino-Institution Moviemento ist ein liebevoller Film über ein düsteres, kleines Kino. Denn in Hinsicht der Ausstattung ist das Moviemento eher kein »Premiumkino Deutschlands«: zu unbequem sind die Sitze, zu aufdringlich ist der Straßenlärm, der vom Kottbusser Damm in die Kinosäle dringt. Umso aufregender ist die Geschichte des Kinos, die Sobolla mit Hilfe von Zeitzeugen-Interviews erzählt. Es entsteht ein Mosaik aus kleinen Anekdoten und Begebenheiten, eine Oral History des Kinos.

Gegründet 1907 durch Alfred Topp im ersten Stock eines Wohnhauses, ist das Moviemento das älteste deutsche Kino, das durchgehend bis heute in Betrieb ist. In den 1970er Jahren übernahm Manfred Salzgeber das Filmhaus und konzipierte es als »kritisches Volksfilmtheater für den Bezirk«, als Programmkino, das ausdrücklich nicht nur Studenten erreichen wollte. Das zumindest gelang: das damals unter dem Namen Tali laufende Kino wurde nicht nur Ort intellektueller Cinephilie, sondern auch Zentrum von Kreuzberger Szene und Subkultur.

Den Abschnitt zwischen den späten 1970er und frühen 1980er Jahren behandelt Auf der anderen Seite der Leinwand besonders ausführlich, denn auf ihnen gründet der Mythos Moviemento: Wieland Speck und Elser Maxwell (der Manager von »Ton, Steine, Scherben«) machen Kino und Blixa Bargeld sitzt an der Kasse. Düster und herunterkommen muß das Tali Anfang der 1980er Jahre gewesen sein, ein richtiges »Koks-Kino«. Queere Theatergruppen aus London und New York gastieren und auf der Leinwand flackert jetzt immer öfter die Rocky Horror Picture Show. Das Tali wird zur Kult-Filmstätte und gerät an die Grenzen des Irrsinns, mit jugendlichen Kinojüngern im Ganzkörperkostüm, die sich neben die Leinwand stellen und Dialoge mitsprechen: Kino als Spektakel. Ein säuerlich lächelnder Blixa Bargeld erinnert sich, wie der allabendlich verstreute Reis aufquoll und die Kinositze aus ihrer Verankerung zu sprengen drohte. Ein wenig hat vielleicht die Reputation des Tali als ernstzunehmendes Programmkino gelitten, zumindest aber spielte die Rocky Horror Picture Show eine Menge Geld ein und ermöglichte so die Fortführung des Kinobetriebs.

Eine neue Epoche bricht Mitte der 1980er Jahre an: das Tali heißt jetzt Moviemento, Tom Tykwer programmiert und Dani Levys erster Film Du mich auch – roughes Schwarz-Weiß im No-Wave-Look – läuft wochenlang vor ausverkauftem Haus. Das Moviemento fungiert als Forum für unbekannte Filmemacher und als Kontaktbörse, die Einfluß auf die jüngere deutsche Filmgeschichte hat: Levy, Tykwer und Stefan Arndt, Mitbegründer der umtriebigen Produktionsfirma X-Filme, treffen hier aufeinander.

Inhaltlich ist Auf der anderen Seite der Leinwand – 100 Jahre Moviemento spannend, formal und erzähltechnisch aber macht der Film nicht die allergrößten Sprünge. Genau in dieser Unfertigkeit aber atmet Sobollas kleine Kino-Chronik, die ganz ohne Filmförderung und ohne Produzenten hergestellt wurde, etwas von jenem DIY-Spirit, den auch das Moviemento selbst verkörpert. Sie ist so »schön« wie die drei Akkorde im Punkrock und genau in diesem Sinne die beste Hommage an eine andere Art Premiumkino.

EX-Berliner (Anne Tröster)

You say you’re interested in film and you’ve never been to the Moviemento? You are hereby put on cineastic probation – at least until you watch Bernd Sobolla’s new documentary.
The Moviemento Kino has a history that goes back to the dawn of moving pictures: it was founded in 1907 by Alfred Topp, whose name was possibly the source of the local term Kintopp. As an independent Programmkino (indicating that someone actually selects the program, rather than allowing it be dictated by distribution companies), Moviemento was saved twice by unlikely hits: Rocky Horror Picture Show in the 1970s and Dani Levi’s quintessential Kreuzberg film Du mich auch 10 years later. The cinema was a gathering spot and Kindergarten for the illustrious likes of Blixa Bargeld, Wieland Speck and Tom
Tykwer, who all at some point worked there as projectionists or ticket sellers. Without Moviemento, there would be no X-Filme – the founders of this influential production and distribution company met there. Auf der anderen Seite der Leinwand may have a few clumsy moments, but it certainly makes its point well: film and filmmaking cannot exist without a proper breeding ground.