Detlev Buck

„Witzig, jetzt, wo ich fertig bin, macht Tom seine eigene Filmakademie auf!“

 

 

Detlev, Du kommst aus dem Dorf Nienwohld in Schleswig-Holstein: Wie entwickelt ein junger Mensch vom Lande seine Faszination für den Film?

Kino entwickelt sich vor allem im Kopf her. Ich glaube nicht, dass man prädestiniert in der Stadt leben muss, um viel Kino zu sehen.

 

Hattest Du dich gezielt an der Deutschen Film- und Fernsehakademie beworben oder an allen Filmhochschulen?

Damals gab es ja nur zwei Filmhochschulen, eine in Berlin und eine in München. Ich glaube, ich kam 1985 hierher und habe bis 1990 studiert. Ich weiß noch: die Mauer fiel, und ich war fertig.

 web_buckWie wurdest Du zum ersten Mal aufmerksam aufs Moviemento?

Das hatte damit zu tun, dass wir als Filmstudenten den so genannten Kinoausweis hatten. Der gab uns Studenten die Möglichkeit, mehr ins Kino zu sehen. Zu den Kinos gehörten das Arsenal, das Delphi, die Filmtheater der Yorck-Kino-Gruppe und auch das Moviemento. Das Moviemento war eines der Kinos, die die interessantesten Angebote hatten, weil es täglich wechselte und es eine große Bandbreite von Filmen zu sehen gab. Die anderen Kinos spielten meist zwei, drei Wochen einen Film. Also war das Moviemento ideal, ganz unterschiedliche Filme kennen zu lernen. Außerdem herrschte dort eine spezielle Atmosphäre.

 

Wie drückte sich diese Atmosphäre aus.

Es war ein typisches Kreuzberg-Kino. Da gehörte ein Flaschenbier gleich dazu. Also fast die Atmosphäre, die man auch bei „Herr Lehmann“ sieht. Das kann man fast nicht beschreiben. Das ist keine typische Wohlfühlatmosphäre, es gab auch keine Launch, hatte dadurch aber seinen Charme.

 

Wann und wie kamst Du dann in Kontakt mit Tom?

Tom hat irgendwann angefangen, Filmvormittag zu machen. Wo man sich zusammen einen Film anguckt und darüber quatscht. Da war ich gerade mit meinem Studium an der dffb fertig und dachte: „Witzig, jetzt, wo ich fertig bin, macht Tom quasi seine eigene Filmakademie auf!“ Er hatte ja im Kino die Möglichkeiten dazu, sich Filme zu beschaffen und mit gleich Gesinnten über Filme zu reden. Das hatte ich aber auf der Filmhochschule die ganze Zeit schon gemacht. Deswegen fand ich das lustig, wie Tom das durchzog. Macht einfach seine eigene Filmschule auf. Das war natürlich auch viel Arbeit. Aber nach einer Weile hatte Tom die Schnauze voll. Ich glaube, Tom suchte diesen Austausch sehr gezielt, weil er noch ganz frisch war und vielleicht auch ein bisschen unsicher, wie man mit Schauspielern umgeht. Oh, Schauspieler…!

 

Du warst öfter auch bei den Frühstücks-Treffen: Film, Frühstück, Diskussion: Hast Du dort auch einen deiner Filme vorgestellt?

Nein. Ich mag das nicht. Wenn ein Film fertig ist, dann gibt es noch die Premiere, aber anschließend will ich nicht mehr lange darüber reden. Ich mag es nicht, über meinen eigenen Scheiß zu sprechen, weil ich mich ja kenne und weiß, was ich gedacht habe und worauf ich hinaus wollte. Das ist nicht spannend für mich.

Tom sprach davon, dass die Filmemacher untereinander ziemlich gnadenlos gewesen seien?

Filmemacher unter sich, beharken sich schon sehr. Da wurde nicht nur kein Blatt vor den Mund genommen, sondern es wurde das Maul richtig aufgerissen. Ich denke, das hat auch viel mit Unsicherheit zu tun, manchmal vielleicht auch mit Neid…

 

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